Immobilien: Der Trend zur Zweitwohnung

In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Zweitwohnungen um 30 Prozent auf 1,1 Millionen gestiegen. Dies ist das Ergebnis einer im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS) erstellen Analyse der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008 durch das Forschungsinstitut empirica. 
Mittlerweile entfallen fast drei Prozent des deutschen Wohnungsbestandes auf Zweitwohnungen. Zugleich nahm die Zahl der Ferienwohnungen um über 20 Prozent auf rund 950.000 zu. In beiden Bereichen sind nach Auskunft von LBS Research Besitzer aus den neuen Bundesländern überdurchschnittlich stark vertreten.

Die Analyse zeigt, dass Zweitwohnungen alles andere als eine Frage von „Luxus“ sind, sondern überwiegend aus Berufs- und Ausbildungsgründen in Anspruch genommen werden. Nutzer sind vornehmlich junge Menschen und Mehrgenerationenhaushalte bzw. Haushalte mit mehreren Erwerbstätigen. Für nicht wenige ist nach Einschätzung von LBS Research offenbar das Fernpendeln der beste Weg, um die gewohnte gute Wohnumgebung mit dem Arbeitsplatz unter einen Hut zu bringen. Genauere Regressionsanalysen zeigten, dass dies für Wohneigentümer, aber auch für viele Mieter gilt, die etwa aus familiären Gründen an ihrer Hauptwohnung festhalten wollen.

Aber was zeichnet einen Zweitwohnungsnutzer eigentlich aus? Charakterisiert man die die typischen Zweitwohnungsnutzer, so sind es laut Analyse in erster Linie Berufstätige aus kleinen bis mittleren Städten. Vor allem fällt nach Auskunft von LBS Research auf, das die Einwohner der neuen Länder in deutlich stärkerem Maße über Zweitwohnungen verfügen als in der alten Bundesrepublik. Bei ihnen liege der Anteil bei 3,6 Prozent, verglichen mit 2,6 Prozent im ehemaligen Bundesgebiet. Der Ost-„Vorsprung“ sei in den letzten fünf Jahren sogar noch gewachsen, hieß es von Seiten von LBS Research.

Bei den Freizeitwohnungen haben nach LBS-Informationen die Menschen aus Ostdeutschland die Nase noch deutlicher vorn. Mit 5,3 Prozent der Haushalte verfügten die Menschen hier inzwischen dreimal so oft über Datschen, Lauben, Ferienwohnungen oder ähnliche Objekte zu Freizeitzwecken wie die Bewohner der „alten“ Bundesrepublik. Allerdings sind diese mit 25 Quadratmetern auch nur etwa halb so groß wie die Ferienwohnungen der Westdeutschen. Generell, so die LBS-Experten, befänden sich Freizeitobjekte eher in der Hand von Mietern aus größeren Städten. Doch die Wohnungen selbst stünden in fünf von sechs Fällen im Eigentum ihrer Besitzer. Außerdem nehme der Ferienwohnungsanteil mit wachsendem Alter zu. Weil Rentner überproportional vertreten seien, sei ihr Besitz auch weniger eine Frage des laufenden Einkommens.

An vielen Daten zeigt sich nach Meinung von LBS Research deutlich, dass bis auf die nahezu identische durchschnittliche Wohnungsgröße Zweit- und Ferienwohnungen wenig gemein haben. Denn Zweitwohnungen gemäß der Analyse zu fast 80 Prozent Mietwohnungen. Ihre Größe hängt auch kaum von der Quadratmeterzahl des Erstwohnsitzes ab. Denn am Ausbildungs- oder Arbeitsplatz sucht man, so die LBS-Experten, nur eine „Wohnbeziehung auf Zeit”. Auf jeden Fall stelle die wachsende Zweitwohnungszahl jedoch eine zusätzliche Belastung insbesondere für die Wohnungsmärkte in den Universitätsstädten und wirtschaftsstarken Ballungsräumen dar. Gerade in diesen Regionen sei dies vor allem auch für „normale” Familien bei der Suche nach bezahlbaren Häusern und Wohnungen spürbar.

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