Immobilien in Schweden: Wenn Sie es genau wissen wollen …

Bei Immobilien ist Transparenz gefragt. Ganz besonders in Schweden: Dort sind nicht nur die Fußballfans und die Möbelhersteller einfallsreich, dort werden auch alle Daten rund um den Verkauf einer Immobilie veröffentlicht. Experten beklagen in Deutschland – oftmals nicht zu Unrecht – die mangelhafte Transparenz auf den Immobilienmärkten Gleichzeitig bleibt die Frage, welches Maß an Transparenz wirklich wünschenswert und realisierbar ist. Wann wird die Grenze zur Privatsphäre überschritten? Der Markt für Immobilien in Schweden ist in dieser Hinsicht ein Extrembeispiel.

Eine Folge der gesetzlichen Bestimmungen, aber auch der schwedischen Mentalität ist die Veröffentlichung von Daten zu jedem Immobilienkauf. Von der Eigentumswohnung über das Einfamilienhaus bis hin zur Doppelhaushälfte. Und: Alle Verkäufe von Immobilien in Schweden sind ohne nennenswerte Verzögerung in Online-Datenbanken abrufbar. „Internetportale werten diese Daten nahezu tagesaktuell aus“, erklärt Nils Olov Boback, Geschäftsführer der NCC Deutschland GmbH, gegenüber FAZ.net. 

Die Schweden sind in Sachen Transparenz bei Immobilienverkäufen detailverliebt. So werden nicht nur die Namen von Käufer und Verkäufer, sondern auch kleinste Details zur Veröffentlichung gebracht. Sei es, dass ein Haus mit Auf- oder Abschlag gegenüber dem ursprünglichen Angebot verkauft wurde, sei es der Vermittler einer Transaktion oder die Zeitspanne, in der eine Immobilie zum Verkauf stand. wer die Transaktion vermittelt hat, wie lange das Haus zum Verkauf stand. Alle diese Informationen sind per Mausklick verfügbar. „Selbst die Vermögensverhältnisse der Käufer bleiben nicht geheim“, ergänzt Nils Olov Boback in einem Beitrag bei FAZ.net.

Der Markt für Immobilien in Schweden hat sich aufgrund der extremen Transparenz extrem dynamisch entwickelt. Preisliche Veränderungen, Verschiebungen der Bestände und der Nachfrage sind für alle Marktteilnehmer sofort und nicht wie bei halbjährlichen oder gar jährlichen Veröffentlichungen mit Zeitverzögerung sichtbar. Hinzu kommt, dass in Schweden grundsätzlich jeder sofort über alle Marktinformationen verfügen kann.

Die Einführung dieses Transparenz-Modells, welches für Immobilien in Schweden gilt, wäre in Deutschland kaum möglich. Deutsche Datenschützer würden gegen eine solche Aufweichung des Datenschutzes mit Sicherheit Alarm schlagen. Andererseits scheint es kaum erstrebenswert, dass in Deutschland nicht einmal den Markt für Einfamilienhäuser mit Sicherheit und Genauigkeit eingegrenzt werden kann.

Viele Marktdaten basieren auf groben Schätzungen, verlässliche Prognosen lassen sich kaum erstellen. Dabei müssten solche immobilienwirtschaftlichen Marktdaten – amtlich genau – im Sinne einer markttauglichen Transparenz mindestens einmal pro Quartal aktualisiert vorliegen. Mehr Transparenz in Deutschland ist nicht nur wünschenswert und dringend erforderlich, sondern auch vergleichsweise leicht zu realisieren“, so Boback, „schwedische Verhältnisse wären dabei sicherlich übertrieben, aber ein gesundes Maß an Transparenz ist durchaus erstrebenswert. Es muss ein Mittelweg gefunden werden.“

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Leave a Reply