Immobilien: Studentenstädte hoch im Kurs

Deutschlands Top-Metropolen Hamburg und München bekommen in Sachen Immobilien Konkurrenz: Bei der Suche nach einer Wohnung haben klassische Studentenstädte wie Heidelberg, Würzburg oder Trier mächtig aufgeholt. Gute Nachrichten zum Immobilienmarkt gab es zuletzt auch aus Stuttgart. Im „Ländle“ präsentiert sich die Marktlage stabil, bei moderaten, aber stetig steigenden Preisen für Immobilien in Stuttgart.

Die Leerstandsquote in der baden-württembergischen Landeshauptstadt liegt bei Wohnimmobilien nach Angaben des „Immobilien-Kompass“ von Capital derzeit bei 1,5 Prozent. „Private Immobilien sind in Stuttgart begehrter als je zuvor“, sagt Hennrick Kipper, Leiter Private Immobilien beim privaten Bankhaus Ellwanger & Geiger in Stuttgart, „in Toplagen werden schon 1000 Euro je Quadratmeter verlangt – und auch gezahlt“, so der Immobilien- und Finanzierungsprofi.

Blickt man rein auf den Bedarf an Wohnimmobilien, so gehört die schwäbische Metropole mit Sicherheit zu den Gewinnern der Immobilien- und Finanzkrise. Anders als in anderen Bundesländern, beispielsweise in Sachsen-Anhalt oder Thüringen, wo die Bevölkerungszahl bis 2020 um 11,9 beziehungsweise 8,2 Prozent sinken wird, kann Baden-Württemberg mit einem Zuwachs von einem Prozent rechnen. Dies teilte die Bertelsmann-Stiftung mit.

Es genügt jedoch nicht, nur auf die Einwohnerzahl zu schauen. Immobilienexperten wie Günter Vornholz von der Deutschen Hypo sehen die Zahl der Haushalte als wichtige Variable an: „Bis 2025 wird die Zahl der Haushalte bundesweit noch um 2,6 Prozent zunehmen“, sagt Vornholz: „davon profitieren vor allem die westdeutschen Flächenstaaten und die Stadtstaaten.“ Stuttgart gehört dabei neben Hamburg und München zu den prosperierenden Städten. Für Anleger ist es unter Renditegesichtspunkten dennoch nicht immer ratsam, gerade in einer dieser Metropolen in eine Immobilie zu investieren. „Wo viel gebaut wird, steigen die Mieten nicht“, so Vornholz gegenüber Capital, „bei restriktiver Baupolitik gibt es meist bessere Mietsteigerungen.“ Entscheidend, so der Profi weiter, seien vor allem die lokalen Märkte.

Und die können anderorts durchaus verlockender sein. Wie wäre es zum Beispiel mit traditionellen Studentenstädten wie Münster, Marburg oder Trier? Diese Städte zeichnet seit jeher eine sehr hohe Zahl an Studierenden aus. Und in den letzten zehn Jahren lag dort der mittlere Wertzuwachs von neuen Eigentumswohnungen jährlich um rund 0,75 Prozentpunkte über dem Wert von Städten mit sehr wenigen oder gar ohne Studenten. „Das gilt auch für ostdeutsche Städte”, erklärt Tobias Just von Deutsche Bank Research, der jüngst die Wertentwicklung von Eigentumswohnungen in mehr als 100 Städten untersucht hat. Dabei stellte Just fest, dass unter den 20 Städten mit der besten Wertentwicklung nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ wie München und Hamburg waren, sondern auch kleinere Städte wie Würzburg, Bremen oder Heidelberg. Auch wenn Bremen nicht die typische Studentenstadt ist, studieren dort doch 30.000 junge Menschen an zwei Universitäten. Die Uni Bremen ist von einem Technologiepark umgeben, in dem zahlreiche Institute und wissenschaftliche Einrichtungen untergebracht sind. Die Hansestadt Bremen hat viele Gesichter, ist Weltoffen und konnte Tradition, Geschichte, High Tech und die moderne gut verbinden. So facettenreich sind auch die Immobilien in Bremen, für jeden Geschmack und Geldbeutel ist etwas dabei. Eine Beobachtung, die nach Ansicht des Experten nur wenig verwundert. „Zahlreiche Jobs hängen an der Universität”, erläutert Just, „und viele Studenten bleiben nach dem Abschluss in der Uni-Stadt. Mit entsprechend höherem Gehalt.“

Deshalb bieten die Städte auch in Krisenzeiten Sicherheit für Investitionen. Damit, so Just, könnten auch „B- und C-Standorte“ für Investoren künftig genauso attraktiv sein wie die Großstädte.

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