Immobilienfonds: Raus aus der Krise?
Immobilieninvestments gelten ungeachtet der stürmischen Wirtschaftslage immer noch als „Betongold“. Immobilien als Anlage haben sich in der Vergangenheit immer bewährt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Neben der geringen Abhängigkeit von anderen Anlageklassen und einer niedrige Volatilität spielen vor allem verlässliche positive Erträge eine Rolle. Durchschnittsrenditen von sechs bis zehn Prozent waren bei offenen Immobilienfonds bis weit in die Neunzigerjahre an der Tagesordnung.
Gerade in sogenannten Wirtschaftskrisen wurde stets ausgiebig in Immobilien investiert. Wie die BVI-Statistik belegt, tätigten deutsche Anleger allein 1987 und 1988, nach dem großen weltweiten Börsencrash, mehr Investitionen als in den vorangegangenen zehn Jahren davor.
Gleiches war auch 15 Jahre später zu beobachten. Als die „Dotcom-Blase“ 2001 platzte und die Börsenkurse auf Talfahrt gingen, erreichte der Nettozufluss von Immobilienfonds in den beiden folgenden Jahren 2002 und 2003 einen Wert, der in etwa der Summe der Nettoinvestments der vorhergegangenen zehn Jahre (!) entsprach. Das berichtet das Handelsblatt. Insgesamt 28,5 Mrd. Euro sammelten die Emittenten ein – Rekord für eine so kurze Zeitspanne.
Rein wissenschaftlich gesehen, machen Anleger alles richtig, wenn sie auf „Betongold“ setzen. „Immobilienfonds ins Depot zu packen, macht tatsächlich Sinn“, schreibt das Handelsblatt. „Ein wenig risikobereiter Privatinvestor kann das Risiko seines Portfolios durch Beimischung von Offenen Immobilienfonds nach unseren Berechnungen um bis zu 22 Prozent senken“, sagt auch Professor Lutz Johanning von der WHU Otto Beisheim School of Management. Johanning hat zuletzt in einer Studie untersucht, wie sich Investments in normalen und in Krisenzeiten verhalten. Zentrales Ergebnis: Offene Immobilienfonds haben in den vergangenen Jahren ihren Ruf der Unverletzlichkeit verloren. „Immobilieninvestments sind keine Selbstläufer“, mahnt auch Matthias Weinbeck, Immobilien-Experte bei der Sauren Fonds-Research AG. „Anleger müssen ihrem Risikoprofil entsprechend entscheiden, ob und welche Fonds sie in ihr Depot aufnehmen. Und sie müssen grundsätzlich einkalkulieren, dass ein Immobilienfonds gegebenenfalls auch negative Renditen erzielen kann“, so Weinbeck.
Und: Immobilienfonds können schneller als klassische Investmentfonds in Liquiditätsengpässe geraten. Jüngstes Beispiel: Zu Beginn der immer noch anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise forderten im Oktober 2008 Anleger in Scharen ihr Geld zurück, Fondsmanager mussten folglich Immobilien aus dem Fondsbestand verkaufen oder aber Kredite aufnehmen, um die Investoren auszubezahlen. „Schrumpft die Liquidität im Portfolio zu schnell, müssen sie für den Fonds die Rücknahme der Anteilsscheine aussetzen. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben”, erklärt Lutz Johanning. Die Folge: Anleger können ihr Geld bis zu zwei Jahre lang nicht aus den betroffenen Fonds abziehen.
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