Immobilienmärkte: Aufwärtstrend, aber keine Entwarnung

as Immobilienberatungsunternehmen CB Richard Ellis (CBRE) hat den Zustand der weltweiten Immobilienmärkte analysiert und diesen im aktuellen Global Market View zusammengefasst. Zentrales Ergebnis: Das Transaktionsvolumen auf dem europäischen Immobilieninvestmentmarkt hat im zweiten Quartal 2009 mit einem Wert von 13 Milliarden Euro den im ersten Quartal erzielten Wert von 11,6 Milliarden Euro übertroffen. Um einen generellen Aufwärtstrend zu prognostizieren, sei es aber noch zu früh, hieß es von Seiten des Unternehmens.

Insbesondere, so die Experten von CB Richard Ellis, sei davon auszugehen, dass das Transaktionsvolumen im letzten Quartal des Jahres noch weiter ansteigen wird. Dazu tragen insbesondere die verbesserte Grundstimmung des Markts, die sich gerade in den letzten Wochen des zweiten Quartals deutlich aufgehellt hat, und einige großvolumige Investmenttransaktionen bei. Besonders stark hat die Investmentaktivität im zweiten Quartal in London zugenommen. Das gestiegene Interesse von Investoren wird mit den starken Preiskorrekturen begründet, die hier in der Vergangenheit verzeichnet wurden.
Zurückhaltung ist hingegen weiterhin beim Vermietungsgeschäft zu spüren. Der sogenannte „EU-15 Prime Office Rent Index“ von CBRE, der die Spitzenmieten in den 15 wichtigsten europäischen Metropolen erfasst, sank im zweiten Quartal um 2,9 Prozent. Im Jahresvergleich ergibt sich dadurch ein Minus von 8,6 Prozent. Während vor allem die Spitzenmiete in London, Madrid, Dublin und Oslo im Quartalsvergleich 2009 signifikant gesunken ist, zeigen sich die Mietpreise in Büromarktzentren in Deutschland – mit Ausnahme von Berlin – sowie in den Niederlanden relativ stabil.

Einen deutlichen Rückgang des Spitzenmietniveaus lässt sich dagegen in anderen zentral- und osteuropäischen Büromärkten beobachten. Die Einzelhandelsumsätze sind in Großbritannien, Frankreich und Deutschland trotz des ungünstigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds überraschend stabil. Vor allem Discounter und der Lebensmitteleinzelhandel melden robuste teilweise sogar steigende Umsätze. Angesichts eines sich erholenden Geschäftsklimas ist die Nachfrage der Einzelhandelsunternehmen nach Flächen in den innerstädtischen Top-Einkaufslagen sowie in Shoppingcentern weiterhin ungebrochen hoch. Dementsprechend gibt es in diesem Segment kaum Leerstände. Im Jahresvergleich gab der „EU-15 Retail Rent Index“ von CB Richard Ellis im zweiten Quartal 2009 nur marginal nach und zwar um 0,8 Prozent. Die Mehrheit der analysierten Einzelhandelszentren verzeichnen weiterhin stabile Mieten.

Ganz anders der Logistiksektor. Dieses Segment ist weiterhin durch die schwächere Weltwirtschaft beeinträchtigt. Dementsprechend sank die Nachfrage nach Produktions- und Logistikfläche. Insbesondere Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie passen ihren Flächenbedarf der aktuellen Situation an, wobei die Aspekte Kostenreduktion und Optimierung der Bestandsfläche im Mittelpunkt stehen. Viele Unternehmen nutzen zudem die derzeitige Wettbewerbssituation und rückläufige Mieten, um ihre Wertschöpfungskette neu zu ordnen, indem sie modernere Produktions- und Logistikflächen nachfragen. Der „EU-15 Industrial Rent Index“ von CBRE ging im zweiten Quartal um 1,5 Prozent zurück. Im Jahresvergleich ergibt sich dadurch ein Minus von über 5,0 Prozent.

Das Transaktionsvolumen auf den asiatischen Investmentmärkten hat sich leicht positiv entwickelt. In China und Hongkong haben insbesondere die Transaktionen im Wohnimmobilienbereich wieder zugenommen. Auch in Japan, Korea, Indien und Singapur ist eine Erholung der Investmentmärkte zu beobachten. Die Vermietungsmärkte hingegen zeichnen sich nach wie vor durch sinkende Spitzenmieten und höhere Leerstände aus.

Die Immobilienmärkte der Region Pazifik haben die gut 18 Monate andauernden Turbulenzen des Finanzmarktes gut überstanden und präsentieren sich wieder stabil. In diesem Sektor gab es einige größere Investmenttransaktionen. Das Vertrauen der Konsumenten und das wirtschaftliche Klima erholen sich langsam, nachdem hier die niedrigsten Stände der vergangenen 20 Jahre erreicht worden sind.

Für den US-amerikanischen Immobilienmarkt kann jedoch noch keine Entwarnung gegeben werden. Die Leerstandsraten für Büro-, Einzelhandels- und Logistikimmobilien haben sich in den USA im zweiten Quartal dieses Jahres weiter erhöht. Die Büroleerstandsrate stieg dabei um 80 Basispunkte auf 15,5 Prozent, die für Industrieflächen erhöhte sich ebenfalls um 80 Basispunkte und liegt nun bei 13 Prozent. In Kanada sind die Leerstände weniger schnell gestiegen als in den Vereinigten Staaten. Hier stieg die Leerstandsrate von 7,5 Prozent im ersten Quartal 2009 auf 8,3 Prozent im zweiten Quartal.

„Dank der weltweit initiierten Konjunkturprogramme ist der freie Fall der weltwirtschaftlichen Entwicklung zu Ende“, bilanziert Jan Linsin, Head of Research bei CB Richard Ellis in Deutschland, „die Realwirtschaft stabilisiert sich in den einzelnen Regionen zunehmend, wobei vor allem der in den asiatischen Märkten zu verzeichnende Optimismus beeindruckend ist. Aber auch die jüngsten Konjunkturdaten für den Euroraum – und vor allem für Deutschland – zeichnen ein deutlich positiveres Bild als noch zu Beginn des Jahres.“ In den kommenden Monaten, so Linsin weiter, sei mit einer weiteren Aufwärtsbewegung zu rechnen. Entsprechend sei in einigen Immobilienmärkten eine „deutlich verbessere Grundstimmung wahrnehmbar.“ Von einem generellen Aufwärtstrend, so Immobilienprofi Linsin, könne jedoch noch nicht ausgegangenen werden.

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