Investoren bekunden wachsendes Interesse an Studentenwohnungen

© istockphoto.com/ Andreas Weber

© istockphoto.com/ Andreas Weber

Zunehmend zeigt der anhaltende Immobilienboom in Deutschland auch seine Schattenseiten: bezahlbarer Wohnraum ist in der Bundesrepublik bereits ein rares Gut. Vor allem in den Großstädten und Ballungszentren übersteigt die Nachfrage nach Wohnimmobilien das vorhandene Angebot erheblich, rund 100.000 Wohnungen fehlen allein in den zehn größten Städten. Besonders drastisch wirkt sich die Wohnungsnot in den Universitätsstädten aus, hier sieht der Deutsche Mieterbund den größten Handlungsbedarf für den öffentlichen Wohnungsbau. Derweilen steigt das Marktsegment Studentenwohnungen in der Gunst internationaler Investoren. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse der internationalen Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke.

Der Markt für Studentenwohnungen rückt verstärkt in den Fokus internationaler Unternehmen, die auf dem Immobilienmarkt investieren. Noch mehr als in „klassischen“ Marktsegmenten wie Gewerbeimmobilien und Wohneigentum sei auf diesem Spezialimmobilienmarkt das größte Wachstum zu erwarten. Laut der Analyse von Osborne Clarke könnte die Marktentwicklung im Bereich des studentischen Wohnens sogar die erfolgreichen Entwicklungen anderer Bereiche in der jüngeren Vergangenheit in den Schatten stellen. Voraussetzung ist, dass die private Wohnungswirtschaft die Marktlage in diesem Segment zu nutzen weiß.

Wohnungsnot in Universitätsstädten

Studenten zählen zu den Personengruppen, die aufgrund ihres geringen Einkommens auf möglichst preiswerten Wohnraum angewiesen sind. Günstige Wohnungen sind deswegen vor allem an Universitätsstandorten knapp. In beliebten Städten wie Berlin, München oder Leipzig klettern die Mietpreise unaufhaltsam, Wohnungen werden hier für Studierende zunehmend unbezahlbar. Zusätzlich erschwert wird die Marktsituation durch die aktuelle Entwicklung der Studierendenzahlen: Gegenwärtig zählt die Bundesrepublik rund 50 Hochschulen mit jeweils mehr als 10.000 Studierenden. Zum Sommersemester verzeichneten die Studentenwerke einen neuen Rekordwert von 2,4 Millionen Neuimmatrikulationen. In den kommenden Semestern dürfte der Run auf die deutschen Hochschulen bedingt durch die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre, die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen und durch den Wegfall der allgemeinen Wehrpflicht anhalten und den Wohnungsmarkt in den betroffenen Standorten dementsprechend stark belasten. Studentenwohnheime stellen zwar eine preiswerte Alternative zum herkömmlichen Wohnungsmarkt dar, doch gegenwärtig deckt das von den Studentenwerken bereitgestellte Angebot an günstigem Wohnraum die Nachfrage bei Weitem nicht ab: es fehlen bereits rund 25.000 Wohnheimplätze. Aufgrund der dringlichen Lage appelliert das Deutsche Studentenwerk (DSW) sogar an den Bund, weitere Fördermittel für die Schaffung zusätzlichen studentischen Wohnraums bereitzustellen.

Das schwimmende Wohnheim

Privatwirtschaftliche Wohnungsbauunternehmen könnten hier mit eigenem, speziell auf die Bedürfnisse von Studenten zugeschnittenem Wohnungsangebot in die Bresche springen. So wie beispielsweise die Aachener Landmarken AG, die mit ihrem jüngsten Bauprojekt das studentische Wohnen für sich erschließen möchte. Der moderne Gebäudekomplex soll insgesamt 6.500 Quadratkilometer Wohnfläche für die Studierenden und Hochschulmitarbeiter der idyllischen Stadt im Rheinland bieten, unter anderem sind 200 Ein-Raum-Wohnungen vorgesehen. In Münster, ebenfalls ein gefragter Uni-Standort, sorgt ein besonders innovatives Wohnungsbauprojekt für mediales Aufsehen: das bundesweit erste schwimmende Studentenwohnheim. Im Stadthafen II will ein regionales Wohnungsbauunternehmen in Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung und Studentenwerk einen schwimmenden Wohncontainer entwickeln, in dem jedem Bewohner 30 Quadratmeter Wohnfläche zustehen. Derzeit wird geprüft, ob die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Realisierung des schwimmenden Studentenwohnheims nach Vorbild der Flusscontainer in Amsterdam gegeben sind.

Jetzt einen Kommentar schreiben