Luxusimmobilien in Deutschland: Top-Standorte

Rund 200.000 Nobel-Immobilien gibt es in Deutschland. Kaufinteressenten, die bereit sind, im Schnitt 1,4 Mio. Euro auszugeben, wollen nicht nur eine Luxusimmobilie erwerben, sondern auch eine gut betuchte Nachbarschaft um sich herum wissen. Die Folge: Top-Lagen für Luxusimmobilien befinden sich hierzulande fast immer in Regionen mit hoher Kaufgraft und hoher Einwohnerdichte.

Luxus wird in Deutschland jedoch nur in wenigen Fällen und dann auch nur in bestimmten Regionen demonstrativ herausgestellt. Beispiele hierfür sind u. a. Villenviertel wie Hamburg-Blankenese, das Frankfurter Westend oder Berlin-Zehlendorf. „Der Markt für Luxusimmobilien in Deutschland ist überschaubar“, erklärt Björn Dahler, geschäftsführender Gesellschafter des Hamburger Immobilienunternehmens Dahler gegenüber WELT.DE, „wir können landesweit von etwa 200.000 Luxusimmobilien ausgehen, die jedoch nur 0,5 Prozent des Gesamtbestandes an Wohneinheiten ausmachen.“ Immobilienprofis wie Björn Dahler beziehen sich bei ihren Angaben auf eine Studie der auf dieses Marktsegment spezialisierten Vermittler.

Der Begriff „Luxusimmobilie“ lässt sich nach Ansicht von Immobilienexperten wie Dahler klar definieren: Ein Ein- und Zweifamilienhaus ist dann ein Luxusobjekt, wenn es mehr als 750.000 Euro gekostet hat. Als luxuriöse Eigentumswohnungen werden Einheiten mit einem Kaufpreis ab 5000 Euro je Quadratmeter angesehen. Grundlage dieser Analyse waren Grundstücksmarktberichte und Kaufpreissammlungen.

„Der Anteil des Transaktionsvolumens von Luxushäusern am jährlichen Gesamttransaktionsvolumen von Ein- und Zweifamilienhäusern liegt bei vier Prozent – dies entspricht dennoch einem Umsatz von mehr als zwei Mrd. Euro“, berichtet Björn Dahler gegenüber WELT.DE. Für Ein- und Zweifamilienhäuser im Luxussegment, so Dahler weiter, würden bundesweit durchschnittlich 1,37 Mio. Euro bezahlt. Damit komme der geschätzte Bestand an Luxushäusern in Deutschland hochgerechnet auf einen Wert von 250 Mrd. Euro.

Die Top-Standorte für das Wohnen in der Luxus-Klasse befinden sich in Deutschland fast ausschließlich in Regionen mit hoher Kaufkraft und mit hoher Einwohnerdichte. Beispiel München. Die „Weltstadt mit Herz“ weist die meisten Transaktionen für Luxusimmobilien auf, es folgen Hamburg und Berlin. In Düsseldorf, auf Sylt und in Baden-Baden sowie im Münchener Umland floriert das Geschäft mit den Nobel-Immobilien ebenfalls. In Baden-Baden macht das Segment Luxusimmobilien sogar 58 Prozent aller Transaktionen aus. Wer hier wohnen will, muss tief in die Tasche greifen. Nobelhäuser liegen konstant bei ca. vier Mio. Euro. Auf Sylt liegen die Preise für vergleichbare Immobilien sogar zwischen 15 und 25 Mio. Euro. An den zehn Top-Standorten in Deutschland werden im Durchschnitt mit 1,44 Mio. Euro pro Luxus-Haus etwa 700.000 Euro mehr als im ganzen Land erzielt. Auf Länderebene liegt Bayern an der Spitze, es folgen Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein.

„Die Zahl der reichen Menschen in Deutschland nimmt zu und die mittleren Einkommen in dieser Gruppe ebenfalls. Das kurbelt auch die Nachfrage nach Luxusimmobilien an“, sagt Analyst Tobias Just von Deutsche Bank Research. Die Lage, so Just weiter, sei immer ein verlässlicher Werttreiber. In München beginne Luxus also im größeren Einfamilienhaus, in Cottbus erst ab einer Gründerzeitvilla mit großem Grundstück. „Selbst in München oder Hamburg fehlen weitgehend die märchenhaften Luxusimmobilien, die es in London, New York oder Los Angeles gibt“, betont Just gegenüber WELT.DE. „Dies hat mit der geringeren Einkommensspreizung zu tun, aber auch damit, dass demonstrativer Konsum in Deutschland weniger wichtig ist als dort.“

„Luxusimmobilien sind krisenstabil, da sie ein knappes Gut darstellen und nicht vermehrbar sind. Somit halten sie ihren Wert“, sagt Kai Enders, Geschäftsführer von Engel & Völkers Residential. Seit Jahresanfang beobachtet das Maklerhaus trotz Krise eine stabile Nachfrage, besonders in Metropolregionen. „Qualitativ hochwertige Wohnungen haben durch die Finanzkrise Rückenwind erfahren“, sagt auch Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Schick sieht aktuell jedoch eine „Nachfragedelle“. Käufer aus dem Ausland hätten sich dabei komplett zurückgezogen. „Dies hat einen Preisdruck bei Luxusimmobilien ausgelöst“, erklärt Jürgen Michael Schick, „der Markt für Luxusimmobilien wird aber wieder anspringen, sobald sich der Finanzmarkt beruhigt hat.“

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